Vogelfütterung im Winter

 

Jedes Jahr zur Winterzeit wollen Vogelfreunde die „notleidende Vogelwelt“ mit einem zusätzlichen Nahrungsangebot zu unterstützen. Besonders in der Stadt ist eine Zufütterung allerdings nicht notwendig. Zudem bekommen die Vögel meistens zu früh und viel zu viel zusätzliches Futter, so dass es ihnen mehr schadet als nutzt. Es sprechen viele Gründe gegen die Wintervogelfütterung. Das einzige dafür sprechende Argument ist wohl, dass die Menschen so die Möglichkeit haben, die Natur, insbesondere die Vogelwelt, ein bisschen näher beobachten zu können.

 

 

RICHTIG FÜTTERN:

Niemals zu früh Füttern!. Die Natur bietet den Vögeln, je nach Wetterverhältnis, bis zum Dezember oder noch länger ein reichhaltiges Nahrungsangebot.

 

Ohne Schneedecke und langanhaltende Fröste (bis minus 5°Celsius) brauchen die Tiere unsere Hilfe nicht.

 

Vogelhäuschen müssen unbedingt regelmäßig gereinigt.

 

Futterstellen am Boden sollen ab und zu verlegt werden.

 

Das zusätzlich geschaffene Nahrungsangebot bringt auch unnatürlich viele weitere Nahrungsgäste mit sich. Durch ihren Kot werden die Futterstellen verunreinigt und die Infektionsgefahr steigt.

 

Nur einwandfreies Futter verwenden. Andere Nahrung, wie Essensreste, können für die Tiere tödlich sein.

 

Wenn der Vogelwelt wirklich geholfen werden soll, gibt es dafür „natürliche“ Möglichkeiten. Im eigenen Garten oder in Grünanlagen z.B. von Wohnblocks, können verstärkt Beerensträucher und beerentragende Bäume gepflanzt werden. Zudem wird Vögeln eine Nahrungsquelle geboten, wenn Staudengewächse zum Winter nicht zurückgeschnitten werden. Einige Vogelarten ernten deren Samenstände ab, andere profitieren von den dort überwinternden Insekten und Spinnen. Ein weiteres sehr ergiebiges Nahrungsangebot ist der Laub- oder Komposthaufen. Auch dort überdauern viele Kleintiere, die Vogelarten als Nahrungsquelle dienen.

 

 

Gründe gegen die Wintervogelfütterung:

Zusätzliche Futterangebote werden nur von wenigen Singvogelarten genutzt.

 

Gefährdete Vogelarten fressen fast nie an den geschaffenen Futterplätzen. Weder für sie noch für die Zugvögel ist das Zufüttern nützlich.

 

Vögel außerhalb der Stadt überleben den Winter auch ohne künstliches Futterangebot.

 

Vogelarten, die bei uns überwintern, sind dementsprechend angepasst. Sie werden durch ein überflüssig großes Nahrungsangebot eher negativ beeinflusst, so dass sie bei tatsächlich eintretenden Engpässen häufig nicht mehr in der Lage sind, richtig und flexibel zu reagieren.

 

Der Winter erfüllt eine natürliche Auslesefunktion, besonders bei den häufigen Arten. Diese sind durch eine hohe Nachwuchsrate speziell an solche Verhältnisse angepasst.

 

 

Quelle: Schützenswerte Natur Winterfütterung, Lutz Ritzel, Senator für Umweltschutz und Stadtentwicklung 1991